Über Krampf zum Sieg

Nun könnte man es sich einfach machen und beim 4:2 (0:2,0:0,4:0)-Erfolg der Regionalligamannschaft des Hamburger SV am Freitagabend gegen den REV Bremerhaven von einem Sieg der Moral und des großen Kampfes nach 0:2-Rückstand sprechen, ganz so war es aber nun doch nicht.

Zur allgemeinen Überraschung übernahm nämlich der Tabellenletzte von der Wesermündung von Beginn an die Initiative und erarbeitete sich Chancen. Als sich nach sieben Minuten HSV-Goalie Felix Lindenbeck eine alibihalber in seine Richtung beförderte Scheibe quasi selbst ins Tor warf reagierte der HSV mit kompletter Planlosigkeit. Ein Totalausfall der gesamten Deckung bedeutete zehn Minuten später sogar das 0:2 – gleich drei Mal wurde binnen weniger Sekunden im eigenen Drittel die Scheibe verloren, der REV konnte den eigenen Torerfolg gar nicht mehr verhindern. Zu allem Überfluß handelte sich Verteidiger Mario Behrens kurz vor der ersten Sirene auch noch eine Spieldauerdisziplinarstrafe wegen Kniechecks mit Verletzungsfolge ein.

Immerhin gelang es den Rautenträgern, die fünfminütige Unterzahl zu Beginn des zweiten Drittels zu überstehen, die Deckung wirkte jetzt etwas stabiler. Noch vorne ging aber noch immer wenig – die Scheibe wurde viel zu lange gehalten und der Abschluß wurde zu früh und aus ungünstigen Positionen gesucht. Die ersten Zweifel auf den Rängen kamen auf, ob überhaupt ein Treffer gelingen würde.

Die zweite Pause nutzte HSV-Coach offensichtlich zur Gehirnwäsche: aus der Kabine kam eine Mannschaft, die endlich ihre Tempovorteile umsetzte und den Gegner unter Druck setzte. Förderlich war sicherlich auch, daß dem kleinen REV-Kader langsam die Luft ausging. Tore fielen nun fast zwangsläufig und HSV-Topscorer Pascal Heitmann bekam seinen Auftritt: binnen neun Minuten drehte er mit einem Hattrick die Partie zum 3:2. Jannik Höffgen legte in der Schlußminute per Empty-Net-Goal zum Endstand von 4:2 nach. Passend zum gestrigen Auftritt bekam der REV nur Sekunden vor dem letzten Treffer noch eine Riesengelegenheit zum Ausgleich.

Punkte behalten, Schwamm drüber – so könnte man mit der Partie umgehen, sollte man aber nicht. In den nächsten Heimspielen warten Salzgitter und die Scorpions 1b – zwei Teams die zuletzt durch Auswärtserfolge in Adendorf und Bremen überrascht haben. Wenn es da erneut zu Beginn der Partien an der notwendigen Konzentration mangeln sollte könnte es ein böses Erwachen geben – den nicht jedes Spiel in dieser sehr ausgeglichenen Liga läßt sich nach Belieben drehen.

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